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FISCHERS Vision trägt heute noch



MÜHLHAUSEN. „Es war meinem Großvater Kurt Fischer ein großes Anliegen, dass seinen Beschäftigten adäquater Wohnraum zur Verfügung steht. Als sich die Gespräche über den Bau der „Landesiedlung“ in die Länge zogen, ergriff er selbst die Initiative und begann 1953 mit dem Bau einer Werkssiedlung, die seit ihrer Gründung offiziell „Fischersiedlung“ heißt“, so der Geschäftsführer des Familienunternehmens von FISCHER Licht & Metall, Stephan Fischer im Gespräch mit dem Tagblatt, an dem auch seine Frau teilnahm. So wurde Kurt Fischer zu einem Vorreiter in Sachen sozialer Wohnungsbau. Eine wichtige Errungenschaft für die damals, teils in Behelfsheimen lebenden Flüchtlinge und Vertriebene, aber auch für die Einheimischen. Und er verband dabei das gute mit dem nützlichen und so entstand schon damals eine, heute würde man sagen, Win-win-Situation.

Dem Unternehmen verbunden
Zum einen wurden die Wohnbedingungen für die Mitarbeiter wesentlich verbessert und zum anderen steigerte es ihre Loyalität zum Arbeitgeber. „Aus dieser sozialen Einstellung meiner Vorfahren hat sich eine bemerkenswerte Verbundenheit zum Unternehmen entwickelt. Sieht man heute in die Werkshallen, so arbeiten hier, generationenübergreifend, Vater und Sohn Hand in Hand in einer Halle und wenn man genau hinschaut und nachfragt, dann war auch schon der Opa beim „FISCHER“ in Lohn und Brot. Eine große Anziehung für junge Leute war auch immer das umfangreiche Ausbildungsangebot mit der einzigartigen Möglichkeit Handwerk und den immer neuesten Stand der Technik im Familienunternehmen zu erlernen“, erläuterte Fischer weiter.

Wohnungsbau immer ein Thema
​Dass dieses Thema bis heute nichts an seiner Aktualität verloren habe, machte das Unternehmerehepaar im weiteren deutlich. „Den Menschen ein angemessenes bezahlbares Zuhause zu geben, war schon immer eine große finanzielle Herausforderung. Doch haben sich die Modalitäten in den letzten 80 Jahren deutlich verändert. War damals noch genügend Baugrund vorhanden, ist das heute Mangelware. Diesem Problem müssen wir uns nachhaltig widmen, weil es immer mehr zum sozialen Brennpunkt wird“, äußerte Fischer, mit Blick auf die Verantwortlichen. Wie die Firmenchronik zeigt, gab es hier schon 1948 Protestaktionen für bessere Wohnbedingungen. Als großer Hemmschuh der Bemühungen erwies sich der damalige Bürgermeister Schiller, der sich vehement gegen diese Bautätigkeit wehrte, aber letztendlich zum Wohl aller doch den Kürzeren zog. So waren die Aktivitäten der Familie Fischer, und nicht zu vergessen, des damaligen Landrats und späteren Wirtschaftsminister Bayerns, Dr. Otto Schedl, verantwortungsvoll und richtungsweisend für Mühlhausens Bautätigkeit. In den folgenden Jahren schossen die Häuser wie Pilze aus dem Boden. Kurt Fischer, so ist es der Firmenchronik zu entnehmen, gründete auch eine eigene Wohnungsbaugesellschaft. Am 29. Mai 1953, wird die Fischer - Werkssiedlung GmbH, mit Sitz in Mühlhausen und einem Stammkapital von 20 000 DM ins Handelsregister eingetragen. Die Firma Fischer gewährte auch vielen ihrer Mitarbeiter Darlehen für einen Hausbau.

Erinnerungen immer noch wach
​Im Gespräch mit einigen früheren Mitarbeitern wurden die Erinnerungen über die Arbeit bei Fischer als auch das Wohnen in der gleichnamigen Siedlung wach. Kurt Weiniger sowie Hans Stengel, beide langjährige Mitarbeiter, erinnerten sich noch an den Mietzins in den 70er Jahren, der für die 81,5 Quadratmeter große Wohnung, 80 D - Mark betrug. Während die Weiningers das Firmenangebot für einen Kauf annahmen, zog es Stengel in den Lärchenweg. Heute sind die Doppelhaushälften renoviert und modernisiert. Zwar sind nicht mehr alle Häuser im Besitz ehemaliger Fischermitarbeiter, aber die Geschichte lebt.

220 Mitarbeiter beschäftigt
Zu Ehren des Initiators gibt es hier auch die Kurt-Fischer-Straße. Dass die Mitarbeiter auch in schweren Zeiten zu ihrem Betrieb gestanden sind, hat die Krise Anfang des neuen Jahrtausends gezeigt, als der Familienbetrieb aufgrund des Wegfalls eines Großkunden in besorgniserregende Schieflage geriet. Doch die gemeinsamen Bemühungen haben sich gelohnt und heute sind 220 Mitarbeiter in den Bereichen Handwerk, Industrie und Digitalisierung beschäftigt. Migration und Integration sind dabei bei Silvia und Stephan Fischer in besten Händen, sind doch Frauen und Männer aus 15 Ländern bei FISCHER Licht & Metall beschäftigt. „Durch unsere breit aufgestellte Firmenphilosophie haben wir uns auch frei von Abhängigkeiten großer Konzerne gehalten.“ So ist der Name Fischer nach wie vor fest mit dem Ort Mühlhausen verbunden.